Betroffenheitsmühlen mahlen | 28.03.2009

Trauer, Entsetzen und Wut nach altem Amoklauf

Nach dem Amoklauf von Gifhorn fordern Sicherheitspolitiker strengere Gesetze für Laubenpieper. Insbesondere die Verfügbarkeit von Knüppeln müsse im Waffengesetz restriktiver geregelt werden. Drei von der Berichterstattung betroffene Familien, deren Frühstücksfrieden durch die Tatmitteilung in Tränen versank, gehen noch weiter: Sie fordern ein vollständiges Verbot der deutschen Eiche, dem Material, aus der das Tatwerkzeug hergestellt wurde.
"Es kann nicht sein, dass das Geschäftsinteresse einzelner skrupelloser Baumschulen mehr wiegt als unser gemeinsames Cornflakes-Frühstück", entrüstet sich ein Nachrichtenopfer ins Reportermikro unserer Zeitung. Und es fragt zurecht: "Was wäre gewesen, wenn gerade eine Grundschulklasse einen Ausflug in die Schrebergärten gemacht hätte?"

Mordwerkzeug-Experte Fred Steinhauer jedenfalls ist sich nach jahrelanger Forschungsarbeit im Kleinkriminellen-Milieu sicher: "Ohne Eichen hätte es auch keinen Eichenknüppel gegeben, mit dem man jemanden tot prügeln kann."   
Doch die Politik reagiert verhalten, bekundet Mitleid, will es sich aber mit den Lobbyisten der Waldindustrie und den Funktionären des Gartenfrohsinns nicht verscherzen. "Es ist schrecklich, was passiert ist, und wir werden alles tun, um über angemessen Reaktionen debattieren zu können", verlautete am Abend aus Kreisen der deutschen Politik. Derweil trägt ganz Deutschland Trauer, und am morgigen Vormittag werden alle Baumschulen geschlossen haben. Die Presse hat versprochen, über diese Auszeit nicht zu berichten.

(Quelle: Helgoländer Vorbote, http://www.satire-zeitung.de/Letzte_Ausgaben/2344.html)