Ich habe es schon früher bei Tourneen durch Heidis Heimatland erfahren: Es gibt dort heilige lila Kühe, die vergoldete Schokoladenriegel kacken, aber wehe es sagt einer, wenn die braune Scheiße am Dampfen ist. Dann ist man schon wieder ein schwarzes Schaf, also zum Abschuß freigegeben.
Zwillings-Absaufen
Dienstag, 23. Oktober - Wladimir, ein mir halbwegs befreundeter Berliner Korrespondent einer Warschauer Zeitung, grinste nur müde, als ich gestern abend am Tresen das polnische Wahl-Ergebnis kalauernd begrüßte: "War schau, wa?" Er meinte: "Vergiß nicht, einer von diesen Eineiigen ist immer noch da. Der kann als Präsident jedes Gesetz blockieren." Sein Begleiter allerdings berichtete, daß in der Nacht zuvor im Berliner "Club der polnischen Versager" (den gibt es wirklich) heftigst der Kartoffelschnaps geflossen sei, um das demokratische Absaufen der polnischen Chef-Kartoffel zu begießen. Dabei habe man das beidhändige Simultan-Trinken erfunden: "Zwillings-Saufen" habe man das getauft.
Sit in and kotz out!
Mittwoch, 24. Oktober - "Beim snack point traf Angie ihren lover und zeigte ihm ihren neuen body." Der Schriftsteller Wilhelm Genazino erteilt uns diese Auskunft, meint allerdings in seiner Sprachglosse, man solle Angies Body-Check gelassen nehmen. Diese anglizistische Mode würde auch wieder vergehen. Viel härter träfe es ihn, wenn er zum Beispiel mit einem "Genuss-Gutschein" umworben werde.
Ich lese dies gerade bei einer Tasse Kaffee in einem "Steh-Imbiß" auf einem Bahnhof. Ein Schild vor meiner Nase teilt mir mit, daß es eine Etage tiefer auch einen "Imbiß mit Sitzverzehr" gebe. Wohl bekomm's!
Von weiblichen Quoten und männlichen Toten
Donnerstag, 25. Oktober - Das Statistische Bundesamt hat die neuesten Jahreszahlen bekannt gegeben - mit deprimierenden Ergebnissen. Die Deutschen werden immer fauler, auch wenn es darum geht, Hand an sich selber zu legen. Nein, nicht woran Sie jetzt wieder denken. Von Selbstmord ist die Rede. Die Zahl der Suizide ist im letzten Jahr erstmals unter die Zehntausender-Grenze gesunken. Wobei wir männlichen Deutschen uns immerhin noch etwas Mühe geben: 7225 selbstgemordeten Männern stehen gerade mal 2540 eigenbeseitigte Frauen gegenüber.
Was einmal mehr beweist: Die Sache mit der Quotenregelung kannste vergessen. Denn die Frauen sind einfach nicht bereit, die ihnen zugestandenen Quoten zu erfüllen - noch nicht einmal bei den simpelsten allgemein-gesellschaftlichen Aufgaben. Auch bei den echten, also fremdgemeuchelten Mordopfern sind drei Viertel männlichen Geschlechtes.
Nun könnte man angesichts solcher Zahl doch erwarten, daß zumindest in der aktiven Mordbilanz die Frauenquote höher liegen würde. Von wegen! Hier sind die Männer sogar zu 90 Prozent führend. Totschläger im selbstlosen Einsatz, um ihr eigenes Geschlecht zu dezimieren. Wenn man jetzt noch die Selbstmord-Bilanz dazu nimmt, dann fragt man sich schon als Mann: Müssen wir denn alles alleine machen?
Real-Alzheimer aller Ortsvereine, vereinigt Euch!
Freitag, 26. Oktober - Gerade habe ich beim morgendlichen Kaffee dabei zugesehen, wenn auch von ferne, wie unser aller Ex, der oft Geschiedene (auch aus dem Amte) noch mal so richtig liebgehabt wurde. Auf dem SPD-Parteitag ovationierten die Genossen standing, als der gewesene Agenda-Kanzler in die Bütt stieg. Schröder seinerseits schmuste ebenfalls heftig: "Ihr seid das Original, die anderen das Plagiat", so streichelte er die geschundenen Genossen-Seelen.
Nun ja, die CDU hatte schon auf ihrem Parteitag im letzten November mehrheitlich für das gestimmt, was jetzt erst bei der SPD ansteht - nämlich für die "Arbeitslosengeldbezugsdauerverlängerung" (so knapp und kurz las sich das damals im CDU-Beschluß). Damals hatte die SPD mit Kurt Beck an der Spitze noch schwer dagegen gemosert. Soviel zu Original und Plagiat. Aber in dieser Partei verblaßt ja so manches, und am schnellsten die Erinnerung: Die Real-Alzheimer lassen grüßen.
Und was die plagiierende Merkel angeht, so ist es nicht der originale Schröder, den sie kopiert. Sie hat sich ihren innenpolitischen Regierungsstil woanders abgeguckt, nämlich bei ihrem Ziehpapi Helmut Kohl. Dieser Breitgesäßige hatte das Aussitzen zur Maxime gemacht - mit bräsigem Arschwohn gegenüber jedem neuen Gedankenansatz. Alteingesessener Popolismus. Und Angela Merkel saß als sein Mädel lange genug auf seinem Schoß. "Das kann man nicht so nebenbei auf einer Backe erledigen", meinte sie neulich zum Thema Forschungsförderung. Nein, sie erlernte das Aussitzen gewissermaßen beidbäckig. Nun ist sie ähnlich seßhaft, auch wenn sie ständig aushäusig ist (am Montag geht's mal kurz nach Indien). Das ist die real existierende Merkelei: Probleme werden breitgesessen, Konflikte und Rivalen werden weggedrückt - und wenn's irgendwie brenzlig wird, jettet man davon ins Ungefähre.
Über den Wolken kann die Feigheit noch grenzenlos sein.
(Martin Buchholz