Mehr Sammelbildchen für alle | 06.09.2007

Mehr Schockfotos gegen Politikschock

Es muss Politikerinnen geben, denen die Fotze leckt allein bei dem Gedanken, sie könnten bestimmen, mit welchen Belehrungen auf Zigarettenschachteln man das Volk drangsalieren kann. Deshalb ist auch keine Idee zu blöd, als dass sich nicht ein Politiker fände, sie auszusprechen. Was nach den Regeln des Medienzirkus' natürlich verbreitet werden muss. Je absurder, je wahnsinniger, je durchgeknallter eine Politiker-Idee (nicht eine politische Idee!) ist, um so größer der Aufmerksamkeitsgrad.
Ja, Schockfotos (und Schockvideos ) sind eine tolle Idee. Nicht nur Raucher sollten auf diese Weise gezeigt bekommen, was sie längst wissen. Bundeswehrschockfotos für alle, die Soldaten werden wollen oder (noch) müssen. Bitte - wie bei der Kindergefährdung durch Raucher - inklusive der Gefahren für andere. Das wird hervorragende Bundeswehrwerbung in den Kinos werden und unsere Städte bekommen einen ganz neuen Charme mit den BW-City-Light-Boards, die uns bunt die Gefahren illustrieren, die von KM2000, G36, Panzerfaust 3,  Leopard 2 oder NH90 ausgehen. Der zerfetzte und zerfetzende Soldat - man sollte der Wahrheit schon ins Auge blicken.

Und wo wir gerade beim Zerfetzen sind: Ja, bitte auch Schockfotos von Fetten, vor allem Megafetten. Herrlich. Aber diese plakative Warnung darf natürlich nicht nur auf Schokolade und Pommes, wie sich das Gesundheitspolitikerinnen im ersten Affekt eben raustropfen werden, sondern generalpräventiv: die Schockfotos von offenen Beinen, Hämorrhoiden, Fettleber oder Darmkrebs  müssen auf den Chateau Petrus genauso wie auf die Fleischwurst.

Generalpräventiv sollten auch alle Männer mit Schockfotos verziert werden, noch effektiver wären natürlich Schockvideos (mit dem Plasmabildschirm auf der Jacke): von Vergewaltigungen, Banküberfällen, tödlichen Nachbarschaftsstreitigkeiten. Und weil auch von Frauen unbestreitbar Lebensgefahr ausgeht, muss für sie das gleiche gelten.

Und wie schön werden erst die Wahlzettel, wenn auf ihnen anschaulich vor den Folgen eines Kreuzes gewarnt wird: mit geisteskranken Innenministern, klimascheißeschiefgelaufen überfluteten Rheinstädten, vom LKW überrollten Kindern, mit Schockfotos aus der legalen Massentierhaltung und Schockfotos von verreckenden Menschen, die ihr Schicksal moderner Kolonialpolitik verdanken. Es gibt wohl keinen anderen Weg der Aufklärung als den des Realitätsschocks, der so wenig kaschiert werden darf, dass sich am Ende alle totkotzen ob der Borniertheit dieser Welt.

(Quelle: Helgoländer Vorbote, http://www.satire-zeitung.de/Kolumnen/2078.html)