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Kurt Tuchosky | 12.11.2006
Hitlers Hosenboden, oral betrachtet "Vorgestern haben wir hier einen Radio installiert und Adof gehört. Lieber Max, das war sehr merkwürdig. Also erst Göring, ein böses, altes blutrünstiges Weib, das kreischte und die Leute richtig zum Mord aufstachelte. Sehr erschreckend und ekelhaft. Dann Göbbeles mit den loichtenden Augen, der zum Vollik sprach, dann Heil und Gebrüll, Kommandos und Musik, riesige Pause, der Führer hat das Wort. Immerhin, da sollte nun also der sprechen, welcher ... ich ging ein paar Meter vom Apparat weg und ich gestehe, ich hörte mit dem ganzen Körper hin. Und dann geschah etwas sehr Merkwürdiges:
Dann war nämlich gar nichts. Die Stimme ist nicht gar so unsympathisch
wie man denken sollte - sie riecht nur etwas nach Hosenboden, nach
Mann, unappetitlich, aber sonst gehts. Manchmal überbrüllt er sich,
dann kotzt er. Aber sonst: nichts, nichts, nichts. Keine Spannung,
keine Höhepunkte, er packt mich nicht, ich bin doch schließlich viel zu
sehr Artist, um nicht noch selbst in solchem Burschen das Künstlerische
zu bewundern, wenn es da wäre. Nichts. Kein Humor, keine Wärme, kein
Feuer, - nichts. Er sagt auch nichts als die dümmsten Banalitäten,
Konklusionen, die gar keine sind - nichts."
(Kurt Tucholsky am 4. März 1933 aus Zürich in einem Brief an Walter
Hasenclever - den er hier "Max" nennt - über den jüngst zum Reichskanzler gewählten Adolf Hitler)
(Quelle: Helgoländer Vorbote, http://www.satire-zeitung.de/Kurt_Tucholsky/1750.html)
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