Aus dem Bahnblog | 09.07.2006

Was will der Automat von mir?

Kompetent, schnell, höflich, geduldig – nicht umsonst versucht die Bahn dem Fahrgast ihren touchscreen-gesteuerten Fahrkartenautomaten als Alternative zum stress- und launenanfälligen humanen Verkaufspersonal schmackhaft zu machen. Ich benutze die chicen roten Kästen gerne – normalerweise.
Die Prozedur beherrsche ich mittlerweile im Schlaf: Mit entschlossenem Zeigefinger nachdrücklich meinen Reisewunsch verdeutlicht. Passendes Angebot ausgewählt. Geärgert, dass die eigentlich selbstverständliche Platzreservierung extra kostet. Jetzt noch schell die Bahncard zum Gummipunkte Sammeln eingef… Moment, was ist das: „Bitte vervollständigen Sie Ihre BahnCard-Nummer.“

Na gut, denke ich, da wird irgendeine Studie der Kundenserviceologie ergeben haben, dass es für den Bahnnutzer bequemer und weniger fehleranfällig ist, eine zehnstellige Nummer einzutippen, anstatt eine Karte richtig rum (schwarzer Magnetstreifen unten rechts) in den Schlitz zu stecken. Gesagt, getan, nur einmal vertippt, OK und fertig.

„Der gewünschte Bezahlvorgang ist zur Zeit nicht möglich!“, bescheidet mich der elektronische Bahnbeamte. Moment, soweit waren wir doch noch gar nicht. Erst muss ich doch meine EC-Karte einf… Erst da fällt mein Blick auf das kleine grüne Display rechts unten, wo man normalerweise den Bezahlvorgang mit der Eingabe seiner Geheimzahl feierlich abschließt. Es ist tot. Tot, tot, tot.

Der Automat hatte eigentlich nie vor, mir eine Fahrkarte zu verkaufen. Aber das sagt er mir natürlich erst, nachdem ich fünf Minuten mit ihm verhandelt und ihm meine Bahncardnummer buchstabiert habe. Herzlichen Dank. Das elektronische Servicepersonal der Bahn wird seinem biologisch-verbeamteten Vorbild wirklich immer ähnlicher.

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(Quelle: Helgoländer Vorbote, http://www.satire-zeitung.de/1585.html)