MTV verspricht seinen Zuschauern einen respektlosen bis grenzdebilen Zeichentrickspaß auf Kosten der heiligen Mutter Kirche. Im Vatikan (neudeutsch Popetown) geht es hoch her:
„Als Leiter des 'Back Office' im Vatikanstaat muss sich Pater Nicholas um alles Organisatorische in 'Popetown' kümmern. Keine leichte Aufgabe, denn schon auf höchster Ebene ticken Zeitbomben: Da ist der 77-jährige exzentrische Papst, der den Charme eines unausstehlichen Siebenjährigen versprüht, sowie der korrupte Kardinal, der Waisenkinder in die Sklaverei verkauft. Und auch das eigene Personal ist eher sonderlich als sonderlich hilfreich. Dennoch: Optimist und Menschenfreund Nicholas versucht jeden Morgen auf ein Neues Gutes zu tun - Badestunden mit dem Papst eingeschlossen.“ (
MTV 
)
Während manche Christen pflichtschuldig vorab empört sind, erteilt die
Frankfurter Rundschau 
den Zeichentrickmachern die humorkundliche Absolution: „Die Popetown-Autoren überzeichnen diese Phänomene, gehen aber weder inhaltlich noch formal über das hinaus, was an kirchenkritischen Satiren in Deutschland bislang möglich und erlaubt war.“ Um die von MTV angepeilte Zielgruppe vollends zu verschrecken, vergibt Harald Keller auch noch das Prädikat ‚pädagogisch wertvoll’: „Souveräne Katecheten könnten Popetown im Unterricht sogar als Einstieg für eine Debatte über Glaubensfragen nutzen.“
Was dran ist, weiß kaum jemand, denn die Serie lief bislang nur auf dem neuseeländischen TV-Sender Channel 4. (Die
BBC 
, ür die die Serie produziert worden war, verzichtete 2004 nach Protesten auf die Ausstrahlung.) Damit das auch so bleibt, organisiert die christliche Monatszeitschrift
VERS 1 
den Christenprotest in Deutschland. Um Exzesse zu vermeiden, wie man sie von vergleichbaren Bilderstreiten in jüngerer und älterer Vergangenheit kennt, gibt sie
gute Ratschläge 
, welche Protestformen sich für einen Christenmenschen geziemen und veröffentlicht
vorbildliche Protestschreiben 
für Copy&Paste- Protestanten.
Das Erzbistum München-Freising
erwägt 
derweil, den Fall dem weltlichen Arm zu übergeben. Dieser, namentlich der rechte Arm, vergisst einstweilen jüngst entdeckte Sympathien für Meinungs- und Satirefreiheit auch gegenüber Religionsgedönsen und
ruft 
nach klaren Inquisitionsstandards: „Wir brauchen ein klares Blasphemie-Verbot im Strafrecht. Dazu muss § 166 StGB um konkrete Schutztatbestände erweitert werden.“
Das ist soweit nicht verwunderlich. Erstaunlicher ist hingegen, dass der Ruf nach Zensur zum Schutze von betrampelten Gefühlen auch
ausdrückliche Unterstützung 
bei notorischen Tabubrechern und Gutmenschengefühls- Verächtern findet. Meinungsfreiheit ist ja eigentlich des Liberalen amerikanischer Prägung höchstes Gut. Doch vor dem Hintergrund des islamischen Aufstandes gegen die Karikaturfreiheit muss auch der Westen Abstriche bei der freien Meinungsäußerung hinnehmen.
Die Rechnung, warum christliche Zensur gut für die weltweite Meinungsfreiheit ist, funktioniert etwa so: Wird das Christentum durch den Kakao gezogen, freut’s den Muselmanen. Erzielen Christen einen Protesterfolg, ärgert’s den Muselmanen. Und alles, was diese freiheitsfeindlichen Fanatiker ärgert, ist gut für die Freiheit. Ergo: Zensur ist Meinungsfreiheit! Kauft dänische Kiwis!