Jetzt haben wir es amtlich. Bundespräsident Köhler hat die Vorverlegung der Wahlkampf-Saison gebilligt. Die Treibjagd auf das größte mit politischer Stimme begabte Landsäugetier ist damit eröffnet. Nur noch spektakuläre Greenpeace-Aktionen oder das Bundesverfassungsgericht könnten die Schonfrist für das Stimmvieh um ein Jahr verlängern. Aber selbst das wäre keine Rettung auf Dauer.
Ein wenig Trost für die gehetzte Kreatur bietet die Website
www.ich-gehe-nicht-hin.de 
.
"Jeder Grund, nicht zur Wahl zu gehen, ist auf dieser Seite willkommen. Ob Sie keine Zeit haben werden, zur Wahl zu gehen, ob Sie nicht wählen dürfen oder von bestimmten Politikteilen enttäuscht sind – diese Seite ist für Sie!"
Die Inititatoren vom Online-Magazin
Politik-Digital.de 
haben nach eigener Auskunft eigentlich nichts gegen den Wahlfang und wollen auch niemanden dazu verleiten, sich dem großen Schleppnetz zu entziehen. Aber um den Besorgnis erregenden Rückgang der Wahlpopulation zu verstehen, habe man dieses Reservat für müde Wahle geschaffen.
"Nichtwähler sind in der Regel lediglich ein Fall für Demoskopen – obwohl auch Nichtwähler gute Argumente für ihr Handeln haben können, die in der Öffentlichkeit gehört werden sollten. Vielleicht ist es eines der Hauptziele dieser Seite, dass Sie den Journalisten und Politikern etwas entgegensetzen können, die gerne darüber theoretisieren, warum Sie zu Hause geblieben sind. Vielleicht stimmen sie nicht mit deren Argumenten überein – hier können Sie es sagen."
Auf ganz andere Gedanken kommt dagegen die von der Existenz der Seite aufgeschreckte Kommentatorin der
Neuen Osnabrücker Zeitung 
und rechnet uns schon einmal die Tarife für Wahlflucht in anderen Ländern wo es "nicht so sozialpädagogisch" zugehe: In Belgien sind es 50 Euro, in Australien zahlt der Ersttäter 157 Euro. "Eine Lösung auch für uns?"