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Presse | 29.05.2010 | druckansicht

Innenminister absorbieren Journalistenhirne

Liebe Frau Marily Stroux, natürlich muss einem der Kontrollwahn der Politiker auf den totalen Keks gehen. Aber prozessieren ? Gegen diejenigen klagen, die doch die Gesetze machen (so liest sich jedenfalls, was die erfolgreich BKA-geprüften Kolleginnen und Kollegen von der Innenministerkonferenz berichten - sie werden u.a. das Strafrecht verschärfen)? Das ist doch unsinnig. Aber viel wichtiger: Was wollen Sie denn dort - gerade Sie mit Ihrem fotografischen Geschick? Wollen Sie wirklich Innenministermänner ablichten? Oder kolportieren, was solche "Minister des Innern" von sich geben? Das können die mit ihrer steuerfinanzierten Publikationsmaschinerie doch längst wunderbar alleine.
Für Politikjournalismus zur Innenministerkonferenz muss man sich doch wahrlich nicht unter den Politikspeichelleckpöbel mischen. Und man kann doch mehr tun als halbschlaue Kommentare ins Netz zu schreiben, was ja unsere Helgoländer Profession ist.
Man könnte zum Beispiel recherchieren, was wirklich dran ist an der Behauptung, die Gewalt gegen Polizisten nehme dramatisch zu. Schon die IMK Herbst 2009 hatte behauptet, die Gewalt gegen Polizisten sei in den letzten 10 Jahren um ein Drittel gestiegen - eine Quelle dafür konnte Pressesprecher Rainer Gausepohl damals auf Anfrage nicht benennen. Der Spiegel war sich auch vor einem Monat schon sicher, dass Gewalt gegen Polizeibeamte zunehme.
Hinter die nun deutlich früher als zunächst angekündigt präsentierten ersten Ergebnisse aus dem Hause des nur mit Gewalt gegen sich selbst zu ertragenden Christian Pfeiffer gehören jedenfalls viele Fragezeichen.Und warum fragt eigentlich niemand nach denen, die von der Polizei verletzt werden? Lebt man in Deutschland als Polizist wirklich gefährdeter denn als Nicht-Polizist - oder ist es vielmehr umgekehrt? Wo bleiben die Forderungen nach einer härteren Gangart (Gewaltspirale) bei Polizeigewalt? Da liegt nämlich ein Rechercheschlüssel für das Thema: Bricht sich ein Polizist beim Verprügeln eines Demonstranten die Hand oder den Fuß, hat der Demonstrant ebenso Widerstand geleistet, wie wenn dieser verletzt aus einer Polizeiwanne aussteigt.

Was, liebe Frau Stroux, wollen Sie auf einer Innenministerkonferenz?

Kollegial grüßt, Fred Steinhauer

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