Die Historie
Die Zeit der totalitären Fußballchampions ist klar vorüber: Der faschistische Doppelweltmeister Italien am Anfang der WM-Geschichte (1934, 1938) oder der ideologische Doppelpass von Franko-Spanien und der Sowjetunion zum Auftakt der Europameisterschaftshistorie (1960, 1964) – längst vergessen. Letzter Diktatoren-Weltmeister wurde Argentinien vor 30 Jahren! Zwei Jahre zuvor, 1976, verschoss Uli Hoeneß zugunsten der kommunistischen CSSR in den Belgrader EM-Himmel. Demokratievorbildlich dagegen der amtierende Weltmeister Italien. Hier konnten auch diverse Bestechungsskandale dem Wahlsieg nichts anhaben.
Die Regel
Bestes Beispiel für die funktionierende demokratische Fußballverfassung ist die Abseitsregel. Niemand kann sie erklären, niemand weiß, warum es sie gibt, aber alle wissen, wann Abseits ist.
Die StarsFußballstars wie Ballack & Co. haben genau das, was Presse und Fernsehen von unseren Kanzlern und Präsidenten fordern: Charismatische Führungsspieler, die sich durchsetzen und im entscheidenden Moment ein Spiel an sich reißen und mit ihrem unbedingten Willen zum Sieg den Erfolg erzwingen. Echte Vorbilder für die Jugend also.
Das SpielEin typisches Fußballspiel zeigt eigentlich alles, was eine westliche Demokratie ausmacht: Millionen Zuschauer erwarten ein Riesenspiel, werden über weite Strecken enttäuscht und hoffen doch bis zuletzt auf ein Erfolgserlebnis.
Das mediale DrumherumIn Sachen medialer Begleitung ist der Fußball top: Mehr vierte Gewalt geht nicht. Auf 90 Minuten Spiel kommen ungefähr 900 Stunden Schnürsenkel-Analyse, kulinarischer Hintergrund des Gastgeber-Landes und kritisch-aufdeckende Fragen der Art: Sie werden mir nichts verraten können, was also verraten Sie mir?
Fazit: Fußball ist ganz große Demokratie: Keiner hat was zu entscheiden, aber alle was zu sagen.




