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Nach Amoklauf | 21.11.2006 | druckansicht

Experte Croetz: Wir müssen das Töten lernen

Nach dem Amoklauf in Emsdetten fordern Politiker ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computer-Spielen. Kriegsspiel-Experte Casimir Croetz hält das allerdings für übertrieben. Im HV-Interview erklärt er warum.
HV: Herr Croetz, der exzessive Konsum sog. PC-Killer-Games wie Counterstrike ist möglicherweise eine Ursache für den Amoklauf eines 18-Jährigen in Emsdetten. Warum sind Sie gegen ein Verbot solcher Spiele?

Croetz: Dann müssen Sie alle Kriegsspiele verbieten, auch das staatlich geförderte ISAF Afghanistan.

HV: Aber ein Computerspiel und ein richtiger Kampfeinsatz sind doch nicht vergleichbar?

Croetz: Das stimmt. Bei einem sog. War-Live wie in Afghanistan oder im Irak ist der Umgang mit Gewalt sehr viel realitätsnäher. Das hat zudem einen pädagogischen Effekt, denn auch das Töten muss gelernt werden.

HV: Dennoch werden Gewalt-Computerspiele im Vergleich mit richtigem Krieg immer beliebter – gerade unter Jugendlichen?

Croetz: Ein Problem allerdings. Die PR staatlicher Stellen für ihre Gewaltangebote ist miserabel. Mit einem Titel wie „Friedensmission“ locken sie keinen Nachwuchs-Killer vom PC-Bildschirm. Das muss verbessert werden.

HV: Zum Beispiel?

Croetz: Nehmen sie die tolle Propaganda der Nationalsozialisten. Die konnten ein ganzes Volk in den Amoklauf treiben und anschließend bekamen wir Deutschen dann eine ordentliche Demokratie. Niemand hätte damals nach einem mauen Spiel wie Counterstrike gefragt.

HV: Herr Croetz wir danken Ihnen für das Gespräch.

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