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Mittwoch, 10.März 2010
 
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Kurt Tucholsky | 08.02.2010

Gesunder Pazifismus

Der neue Kriegsminister Groener hat den Parteien eine linde Kritik des kaiserlichen Regimes hingeworfen, damit er seinen Panzerkreuzer bewilligt bekommt, und sie sind auch prompt hereingefallen. In diesen Diskussionen, die mit den Worten »Der Etat des Landheeres wird bewilligt« schlossen, fiel das Wort vom »gesunden Pazifismus«. Was ist das -?  Es gibt nur eine Sorte Pazifismus: den, der den Krieg mit allen Mitteln bekämpft. Ich sage: mit allen, wobei also die ungesetzlichen eingeschlossen sind: denn es kann von der Rechtsordnung des Nationalstaates, der auf der Staatenanarchie beruht, nicht verlangt werden, dass sie die Kriegsdienstverweigerung anerkennt - es wäre Selbstmord. Also müssen wir dem Staat, bis sich die Erkenntnis vom Verbrechen des Krieges allgemein Bahn gebrochen hat, ein wenig nachhelfen - mit allen Mitteln. ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 03.10.2008

Zum Tag der Deutschen Einheit: Heimat

Aus Scherz hat dieses Buch den Titel »Deutschland, Deutschland über alles« bekommen, jenen törichten Vers eines großmäuligen Gedichts. Nein, Deutschland steht nicht über allem und ist nicht über allem - niemals. Aber mit allen soll es sein, unser Land. Und hier stehe das Bekenntnis, in das dieses Buch münden soll: Ja, wir lieben dieses Land. Und nun will ich euch mal etwas sagen: Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich »national« nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da. ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 02.10.2008

Die moderne politische Satire in der Literatur

Roda Roda sagt: »Humor ist die Verdauung der Satten, Satire der Schrei der Hungrigen.« Das ist das Wesen der Satire, aber wie erreicht sie ihre großen Wirkungen, mit welchen Mitteln arbeitet sie? Ich möchte hier einige Ausführungen des Genossen Eduard Fuchs zitieren: Jede Kunst, sagt Eduard Fuchs, ist Karikatur, wenn man nämlich unter Karikatur Hinweglassung des Unwesentlichen und die dadurch notwendige Betonung des Wesentlichen versteht. In ganz besonderem Maße wendet die Satire die Karikatur als Mittel an. ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 08.08.2007

Eisenbahner

Anlässlich der Tarifstreit bedingten Aufmerksamkeit, die derzeit der "Eisenbahner" erfährt, zitieren wir gerne ein gleichnamiges Gedicht von Kurt Tucholsky: ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 19.02.2007

Deutsche Richter

Von einer Vertrauenskrise der Justiz kann in Wahrheit keine Rede mehr sein. Eine Krise ist jener ungewisse Zustand, in dem sich etwas entscheiden soll: Tod oder Leben - Ja oder Nein. Die deutsche Arbeiterschaft hat entschieden: Nein. ::: MEHR :::

Kurt Tuchosky | 12.11.2006

Hitlers Hosenboden, oral betrachtet

"Vorgestern haben wir hier einen Radio installiert und Adof gehört. Lieber Max, das war sehr merkwürdig. Also erst Göring, ein böses, altes blutrünstiges Weib, das kreischte und die Leute richtig zum Mord aufstachelte. Sehr erschreckend und ekelhaft. Dann Göbbeles mit den loichtenden Augen, der zum Vollik sprach, dann Heil und Gebrüll, Kommandos und Musik, riesige Pause, der Führer hat das Wort. Immerhin, da sollte nun also der sprechen, welcher ... ich ging ein paar Meter vom Apparat weg und ich gestehe, ich hörte mit dem ganzen Körper hin. Und dann geschah etwas sehr Merkwürdiges: ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky zum 9. November | 28.10.2006

Blick in ferne Zukunft

... Und wenn alles vorüber ist -; wenn sich das alles totgelaufen hat: der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften des Menschen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und wenn die letzten freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind: ::: MEHR :::

Gsella am Dienstag | 04.10.2006

Joseph Goebbels

Kurt Tucholsky | 27.09.2006

Der Mensch

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion. Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird. Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wird gemacht, hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle. ::: MEHR :::

Gsella am Dienstag | 08.08.2006

Olle Germanen

Papa ist Oberförster,

Mama ist pinselblond;

Georg ist Klassen-Oerster,

Johann steht an der Front

 der Burschenschaft

 'Teutonenkraft'.

Bezahlen tut der Olle.

Was Wotan weihen wolle!

::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 20.07.2006

Die Beamtenpest

"Solche aufgeblähten Beamtenkörper abzuschaffen, die überflüssig sind, unfruchtbar, unproduktiv und fast immer reaktionär, ist auf dem Wege der Evolution unmöglich. Jeder Reformversuch muss ja von einem von ihnen gemacht werden; jeder Reformversuch endet gewöhnlich damit, dass der Dreck, statt herausgekehrt zu werden, von einer Ecke in die andre umgelegt wird; jeder Reformversuch belässt, wenn man es richtig ansieht, alles beim alten. Eine wirkliche Änderung? Dazu hat der liebe Gott die Revolutionen erfunden. Luftreinigungen, die von Zeit zu Zeit erfolgen müssen, wenn nicht alles ersticken will. Dann gehts wieder für eine Weile." ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 20.07.2006

Die Beamtenpest (Teil 2)

III. Gemeint sind die, die sich nicht getroffen fühlen »Man oktroyiert«, sagt Jacob Burckhardt, »dem Staat in sein täglich wachsendes Pflichtheft schlechtweg alles, wovon man weiß oder ahnt, dass es die Gesellschaft nicht tun werde.« So gibt es denn keinen Aufsatz über irgendwelche sozialen Missstände mehr, der nicht mit der Mahnung schließt: »Her mit einem Reichsamt für...«, wobei dann der Schreiber gewöhnlich Regierungsrat werden möchte. Es ist lächerlich, von einem Staat, der nicht einmal imstande ist, seine Leute anständig zu ernähren, ihnen ein Dach über dem Kopf zu schaffen und die Tuberkulose vom Hals zu halten - es ist lächerlich, von so einem Jammerwesen zu verlangen, dass es sich für »Zeitungskunde« oder was weiß ich einsetze. ::: MEHR :::

Wohin treiben wir? | 17.07.2006

Kurt Tucholsky: Dämmerung

Diese Zeit hat etwas durchaus Gespensterhaftes. Die Leute gehen täglich ihren Geschäften nach, machen Verordnungen und durchbrechen sie, halten Feste ab und tanzen, heiraten und lesen Bücher -: aber es ist alles nicht wahr.   Was man so gemeinhin Kunst und Kultur nennt: sie sind nicht möglich ohne gemeinsame Voraussetzungen. Die sind nicht mehr da. Die Grundfesten wanken. Es ist durchaus nicht allen gemeinsam und selbstverständlich, dass das Vaterland das Höchste ist, woran sich anzuschließen Pflicht und Gewinn sei - sondern das ist sehr bestritten. Es ist durchaus nicht allen gemeinsam, dass die Familie der Endpunkt der Entwicklung und etwas Selbstverständliches sei - das ist sehr bestritten. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass der Kapitalismus notwendig oder gar nutzbringend sei - das ist sehr bestritten. Sie reden verschiedene Sprachen, die babylonischen Menschen, und sie verstehen einander nicht. Sie sprechen aneinander vorbei, und sie haben weniger gemeinsam denn je. ::: MEHR :::

Satire-Klassiker | 14.04.2006

Kurt Tucholsky: Ein Ferngespräch

»Hier ist nochmals das Fernamt. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie möglichst langsam und möglichst dialektfrei sprechen müssen; der Telefonverkehr für solche Gespräche, wie Sie eins angemeldet haben, ist zwar freigegeben - aber nur unter der Bedingung, dass der dortige Überwachungsbeamte den Gesprächen folgen kann. Wir haben nun die Erfahrung gemacht, dass regelmäßig getrennt wird, wenn die Teilnehmer Dialekte oder fremde Sprachen sprechen. Wir weisen Sie in Ihrem Interesse darauf hin.« »Ja doch. Allemal. Na jewiß doch.« ::: MEHR :::

Deutschland, Deutschland über alles | 08.04.2006

Kurt Tucholsky: Der Verkehr

Der Verkehr ist in Deutschland zu einer nationalen Zwangsvorstellung geworden. Zunächst sind die deutschen Städter auf ihren Verkehr stolz. Ich habe nie ergründen können, aus welchem Grunde. Krach auf den Straßen, Staub und viele Autos sind die Begleiterscheinung eines Städtebaues, der mit den neuen Formen nicht fertig wird - wie kann man darauf stolz sein? Es ist wohl so, dass sich der Einzelne als irgendetwas fühlen muss - der soziale Geltungsdrang, an so vielen Stellen abgestoppt, gebremst, zunichte gemacht, findet hier sein Ventil und dringt zischend ins Freie. »Was sagen Sie zu dem Verkehr bei uns?« Da sagen wir denn also, dass er überall in Deutschland, ohne jede Ausnahme, viel kleiner ist als etwa der in Paris - die Pariser aber sind über ihre verunstalteten Boulevards todunglücklich und trauern der alten, schönen Zeit nach, da man dort noch spazieren gehen konnte... heute bläst es aus tausend Hupen. ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 03.03.2006

Petition für Sacco und Vanzetti

An den Botschafter der Vereinigten Staaten ist folgendes Schreiben abgegangen:
 Euer Exzellenz!  Ich habe die Ehre, Ihnen folgende Angelegenheit zu unterbreiten: ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 25.01.2006

Ein Ehepaar erzählt einen Witz

Herr Panter, wir haben gestern einen so reizenden Witz gehört, den müssen wir Ihnen... also den muß ich Ihnen erzählen. Mein Mann kannte ihn schon... aber er ist zu reizend. Also passen Sie auf. [von Kurt Tucholsky] ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 11.01.2006

An die Meinige

Legt man die Hand jetzt auf die Gummiwaren?Erinnre, Claire, dich an deine Pflicht!Das geht nicht so wie in den letzten Jahren:Du bist steril, und du vermehrst dich nicht! ::: MEHR :::

Kurt Tucholsky | 01.01.1970

Liebe in Zeiten des Totschlags

(Küßt die Faschisten...) ::: MEHR :::

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