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Kurt Tucholsky | 08.02.2010
Gesunder Pazifismus
Der neue Kriegsminister Groener  hat den Parteien eine linde Kritik des
kaiserlichen Regimes hingeworfen, damit er seinen Panzerkreuzer
bewilligt bekommt, und sie sind auch prompt hereingefallen. In diesen
Diskussionen, die mit den Worten »Der Etat des Landheeres wird
bewilligt« schlossen, fiel das Wort vom »gesunden Pazifismus«. Was ist
das -?
Es gibt nur eine Sorte Pazifismus: den, der den Krieg mit allen
Mitteln bekämpft. Ich sage: mit allen, wobei also die ungesetzlichen
eingeschlossen sind: denn es kann von der Rechtsordnung des
Nationalstaates, der auf der Staatenanarchie beruht, nicht verlangt
werden, dass sie die Kriegsdienstverweigerung anerkennt - es wäre
Selbstmord. Also müssen wir dem Staat, bis sich die Erkenntnis vom
Verbrechen des Krieges allgemein Bahn gebrochen hat, ein wenig
nachhelfen - mit allen Mitteln.
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Kurt Tucholsky | 03.10.2008
Zum Tag der Deutschen Einheit: Heimat
Aus Scherz hat dieses Buch den Titel »Deutschland, Deutschland über
alles« bekommen, jenen törichten Vers eines großmäuligen Gedichts.
Nein, Deutschland steht nicht über allem und ist nicht über allem -
niemals. Aber mit allen soll es sein, unser Land. Und hier stehe das
Bekenntnis, in das dieses Buch münden soll: Ja, wir lieben dieses Land.
Und nun will ich euch mal etwas sagen: Es ist ja nicht wahr, dass jene,
die sich »national« nennen und nichts sind als
bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich
gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der
Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind
Deutschland. Wir sind auch noch da.
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Kurt Tucholsky | 02.10.2008
Die moderne politische Satire in der Literatur
Roda Roda sagt: »Humor ist die Verdauung der Satten, Satire der Schrei
der Hungrigen.« Das ist das Wesen der Satire, aber wie erreicht sie
ihre großen Wirkungen, mit welchen Mitteln arbeitet sie? Ich möchte
hier einige Ausführungen des Genossen Eduard Fuchs zitieren: Jede
Kunst, sagt Eduard Fuchs, ist Karikatur, wenn man nämlich unter
Karikatur Hinweglassung des Unwesentlichen und die dadurch notwendige
Betonung des Wesentlichen versteht. In ganz besonderem Maße wendet die
Satire die Karikatur als Mittel an.
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Kurt Tucholsky | 08.08.2007
Eisenbahner
Anlässlich der Tarifstreit bedingten Aufmerksamkeit, die derzeit der "Eisenbahner" erfährt, zitieren wir gerne ein gleichnamiges Gedicht von Kurt Tucholsky:
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Kurt Tucholsky | 19.02.2007
Deutsche Richter
Von einer Vertrauenskrise der Justiz kann in Wahrheit keine Rede mehr
sein. Eine Krise ist jener ungewisse Zustand, in dem sich etwas
entscheiden soll: Tod oder Leben - Ja oder Nein. Die deutsche
Arbeiterschaft hat entschieden: Nein.
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Kurt Tuchosky | 12.11.2006
Hitlers Hosenboden, oral betrachtet
"Vorgestern haben wir hier einen Radio installiert und Adof gehört. Lieber Max, das war sehr merkwürdig. Also erst Göring, ein böses, altes blutrünstiges Weib, das kreischte und die Leute richtig zum Mord aufstachelte. Sehr erschreckend und ekelhaft. Dann Göbbeles mit den loichtenden Augen, der zum Vollik sprach, dann Heil und Gebrüll, Kommandos und Musik, riesige Pause, der Führer hat das Wort. Immerhin, da sollte nun also der sprechen, welcher ... ich ging ein paar Meter vom Apparat weg und ich gestehe, ich hörte mit dem ganzen Körper hin. Und dann geschah etwas sehr Merkwürdiges:
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Kurt Tucholsky zum 9. November | 28.10.2006
Blick in ferne Zukunft
... Und wenn alles vorüber ist -; wenn sich das alles totgelaufen hat:
der Hordenwahnsinn, die Wonne, in Massen aufzutreten, in Massen zu
brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit
vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften des Menschen zu guten
umlügt;
wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle
Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und wenn die letzten
freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind:
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Gsella am Dienstag | 04.10.2006
Joseph Goebbels
Kurt Tucholsky | 27.09.2006
Der Mensch
Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut
geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.
Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.
Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er
dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wird gemacht,
hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle.
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Gsella am Dienstag | 08.08.2006
Olle Germanen
Papa ist Oberförster,
Mama ist pinselblond;
Georg ist Klassen-Oerster,
Johann steht an der Front
der
Burschenschaft
'Teutonenkraft'.
Bezahlen tut der Olle.
Was Wotan weihen wolle! ::: MEHR :::
Kurt Tucholsky | 20.07.2006
Die Beamtenpest
"Solche aufgeblähten Beamtenkörper abzuschaffen, die überflüssig sind,
unfruchtbar, unproduktiv und fast immer reaktionär, ist auf dem Wege
der Evolution unmöglich. Jeder Reformversuch muss ja von einem von
ihnen gemacht werden; jeder Reformversuch endet gewöhnlich damit, dass
der Dreck, statt herausgekehrt zu werden, von einer Ecke in die andre
umgelegt wird; jeder Reformversuch belässt, wenn man es richtig
ansieht, alles beim alten. Eine wirkliche Änderung? Dazu hat der liebe
Gott die Revolutionen erfunden. Luftreinigungen, die von Zeit zu Zeit
erfolgen müssen, wenn nicht alles ersticken will. Dann gehts wieder für
eine Weile."
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Kurt Tucholsky | 20.07.2006
Die Beamtenpest (Teil 2)
III.
Gemeint sind die, die sich nicht getroffen fühlen
»Man oktroyiert«, sagt Jacob Burckhardt, »dem Staat in sein täglich
wachsendes Pflichtheft schlechtweg alles, wovon man weiß oder ahnt,
dass es die Gesellschaft nicht tun werde.« So gibt es denn keinen
Aufsatz über irgendwelche sozialen Missstände mehr, der nicht mit der
Mahnung schließt: »Her mit einem Reichsamt für...«, wobei dann der
Schreiber gewöhnlich Regierungsrat werden möchte. Es ist lächerlich,
von einem Staat, der nicht einmal imstande ist, seine Leute anständig
zu ernähren, ihnen ein Dach über dem Kopf zu schaffen und die
Tuberkulose vom Hals zu halten - es ist lächerlich, von so einem
Jammerwesen zu verlangen, dass es sich für »Zeitungskunde« oder was
weiß ich einsetze.
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Wohin treiben wir? | 17.07.2006
Kurt Tucholsky: Dämmerung
Diese Zeit hat etwas durchaus Gespensterhaftes. Die Leute gehen täglich
ihren Geschäften nach, machen Verordnungen und durchbrechen sie, halten
Feste ab und tanzen, heiraten und lesen Bücher -: aber es ist alles
nicht wahr.
Was man so gemeinhin Kunst und Kultur nennt: sie sind nicht möglich
ohne gemeinsame Voraussetzungen. Die sind nicht mehr da. Die
Grundfesten wanken. Es ist durchaus nicht allen gemeinsam und
selbstverständlich, dass das Vaterland das Höchste ist, woran sich
anzuschließen Pflicht und Gewinn sei - sondern das ist sehr bestritten.
Es ist durchaus nicht allen gemeinsam, dass die Familie der Endpunkt
der Entwicklung und etwas Selbstverständliches sei - das ist sehr
bestritten. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass der
Kapitalismus notwendig oder gar nutzbringend sei - das ist sehr
bestritten. Sie reden verschiedene Sprachen, die babylonischen
Menschen, und sie verstehen einander nicht. Sie sprechen aneinander
vorbei, und sie haben weniger gemeinsam denn je.
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Satire-Klassiker | 14.04.2006
Kurt Tucholsky: Ein Ferngespräch
»Hier ist nochmals das Fernamt. Ich möchte Sie darauf aufmerksam
machen, dass Sie möglichst langsam und möglichst dialektfrei sprechen
müssen; der Telefonverkehr für solche Gespräche, wie Sie eins
angemeldet haben, ist zwar freigegeben - aber nur unter der Bedingung,
dass der dortige Überwachungsbeamte den Gesprächen folgen kann. Wir
haben nun die Erfahrung gemacht, dass regelmäßig getrennt wird, wenn
die Teilnehmer Dialekte oder fremde Sprachen sprechen. Wir weisen Sie
in Ihrem Interesse darauf hin.«
»Ja doch. Allemal. Na jewiß doch.«
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Deutschland, Deutschland über alles | 08.04.2006
Kurt Tucholsky: Der Verkehr
Der Verkehr ist in Deutschland zu einer nationalen Zwangsvorstellung
geworden. Zunächst sind die deutschen Städter auf ihren Verkehr stolz.
Ich habe nie ergründen können, aus welchem Grunde. Krach auf den
Straßen, Staub und viele Autos sind die Begleiterscheinung eines
Städtebaues, der mit den neuen Formen nicht fertig wird - wie kann man
darauf stolz sein?
Es ist wohl so, dass sich der Einzelne als irgendetwas fühlen muss -
der soziale Geltungsdrang, an so vielen Stellen abgestoppt, gebremst,
zunichte gemacht, findet hier sein Ventil und dringt zischend ins
Freie. »Was sagen Sie zu dem Verkehr bei uns?« Da sagen wir denn also,
dass er überall in Deutschland, ohne jede Ausnahme, viel kleiner ist
als etwa der in Paris - die Pariser aber sind über ihre verunstalteten
Boulevards todunglücklich und trauern der alten, schönen Zeit nach, da
man dort noch spazieren gehen konnte... heute bläst es aus tausend
Hupen.
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Kurt Tucholsky | 03.03.2006
Petition für Sacco und Vanzetti
An den Botschafter der Vereinigten Staaten ist folgendes Schreiben abgegangen: Euer Exzellenz!
Ich habe die Ehre, Ihnen folgende Angelegenheit zu unterbreiten:
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Kurt Tucholsky | 25.01.2006
Ein Ehepaar erzählt einen Witz
Herr Panter, wir haben gestern einen so reizenden Witz gehört, den müssen wir Ihnen... also den muß ich Ihnen erzählen. Mein Mann kannte ihn schon... aber er ist zu reizend. Also passen Sie auf. [von Kurt Tucholsky]
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Kurt Tucholsky | 11.01.2006
An die Meinige
Legt man die Hand jetzt auf die Gummiwaren?Erinnre, Claire, dich an deine Pflicht!Das geht nicht so wie in den letzten Jahren:Du bist steril, und du vermehrst dich nicht!
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Kurt Tucholsky | 01.01.1970
Liebe in Zeiten des Totschlags
(Küßt die Faschisten...)
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Verbannung nach Helgoland - Reich & glücklich ohne Politiker
Das völlig andere Deutschland-Buch, das die Einführung der Demokratie nicht nur fordert, sondern für möglich hält. Hardcover Im Buchladen für 13,50 EUR zu haben. Rezension RP: "Es sollte deshalb Pflichtlektüre für jeden sein, der sich mit Politik beschäftigt. Vor allem für Politiker." Aktueller Wahnsinn hier.
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Als investigative...
Berliner Insel-Zeitung sind wir natürlich Fan von Netzwerk Recherche.
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