„Zwischenrufe kommentieren umständliche Reden kurz und knapp“, so Timo Rieg, Chefredakteur des Helgoländer Vorboten. Sie seien, um mit einem Zwischenruf von Jürgen Gehb, CDU, zu sprechen, ein rhetorischer: „Coitus interruptus“. „Zugleichen karikieren Zwischenrufe in ihrer Derbheit die Blasiertheit der Politiker-Sprache“, erklärt Rieg. Beispiel sei etwa ein Ruf von Uwe Küster, SPD: „Himmel, Arsch und Wolkenbruch. Wie kann man nur so einen Blödsinn erzählen.“
Weiteres Ergebnis der Untersuchung: Weibliche Abgeordnete rufen weniger oft dazwischen als ihre männlichen Kollegen. So kamen die Frauen im Bundestag auf durchschnittlich 52 Zwischenrufe seit Ende 2002. Die Männer schafften mehr als doppelt so viele Rufe (128) im gleichen Zeitraum. Beste Zwischenruferin war Ute Kumpf, SPD, mit 421 Zwischenrufen.
Timo Rieg vermutet die Gründe hierfür nicht nur in der lauteren Stimme vieler männlicher Abgeordneter. „Sie kämpfen mit den Rufen auch um die Rolle des Anführers.“ Da könne es auch rau werden. So pfiff etwa Steffen Kampeter, CDU, Redner Sascha Raabe, SPD, an: „Komm zur Sache, Schätzchen!“
Weitere Erkenntnis: In der Opposition lässt es sich leichter dazwischen rufen. So kommen CDU/ CSU auf über 23.000 Zwischenrufe, die FDP liegt bei knapp 10.000. Zum Vergleich: Die SPD schaffte rund 18.000 Zwischenrufe, die Grünen etwas über 6.000.
Und der schönste Zwischenruf? Für Timo Rieg war es der folgende von Hartmut Schauerte, CDU: „Eine Frau kann schön sein und eine Rede gut!




