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Samstag, 04.Februar 2012
 
Aufbau Deutschland

Zahlensalat | 27.07.2005 | druckansicht

Stern, Spiegel und Focus rechnen sich Große Koalition schön

Überraschende Erkenntnisse vermelden Deutschlands führende Nachrichtenmagazine zum Verhalten des Stimmviehs in Deutschland. So stellen sie eine sensationelle Gleichschaltung der politischen Meinung in Deutschland fest. Auch der Begriff Mehrheit wurde in Bezug auf die deutschen Wähler bis heute falsch angewandt.
"Deutsche trauen großer Koalition am meisten zu“ titelt nämlich der "Stern ". Und der "Spiegel “ schließt sich fast wortgleich an: "Bundesbürger trauen großer Koalition am meisten zu“. Noch bündiger schreibt der "Focus “:"Deutsche für Schwarz-Rot“,

‚Satan’, denke ich. Ich bin für die Große Koalition. Wusste ich noch gar nicht. Aber ich bin nicht allein. Auch Guido Westerwelle ist dafür und Joschka Fischer, der Papst sowieso. Alle Deutschen, in Zahlen: 100 Prozent, sind für die Große Koalition. Brauchen wir also nicht gar nicht mehr wählen zu gehen.

Doch dann verwirren die Redakteure uns Leser mit der ihnen eigenen Umsicht im Umgang mit den Zahlen. Natürlich sind nicht wirklich alle Deutschen für die Große Koalition, sondern nur 37 Prozent – also die Mehrheit.

So heißt es in der O-Schrift des "Stern":
"Trotz des Vorsprungs für Schwarz-Gelb ist die Mehrheit der Deutschen davon überzeugt, dass eine große Koalition von CDU/CSU und SPD die Probleme in Deutschland am besten lösen könnte. In einer Forsa-Umfrage für den stern erklärten dies 37 Prozent der Befragten."

Der Spiegel schreibt tapfer ab:
"Eine Regierung aus Union und SPD könnte die Probleme des Landes am besten lösen, glaubt die Mehrheit der Deutschen. Laut einer Umfrage trauen 37 Prozent einer großen Koalition am meisten zu."

Beim Focus weiß man immerhin noch zu unterscheiden zwischen den Deutschen und den befragten Deutschen – es waren 2504:
"Trotz des Vorsprungs für Schwarz-Gelb ist der Großteil der Befragten davon überzeugt, dass eine große Koalition von CDU/CSU und SPD die Probleme in Deutschland am besten lösen könnte."

Gut, man hätte jetzt erwähnen müssen, dass hier allenfalls von einer relativen Mehrheit gesprochen werden kann. Und natürlich hätte ein Redakteur diesem ominösen Begriff gegenüber auch skeptisch sein können. Schließlich können 2 Gleichgeschaltete unter 100 Abstimmenden bereits eine relative Mehrheit zusammenbringen, wenn sich die übrigen 98 eigene Meinungen gönnen. Auch die Unterscheidung zwischen Wahlberechtigten und Nicht-Wahlberechtigten, Wählern und Nicht-Wählern wäre mal eine Erklärung wert.

So aber vermelden "Stern", "Focus" und "Spiegel" absoluten Unfug über der Deutschen Liebe zur Großen Koalition. Denn die ist ja wohl gemeint. Gleichsam missbraucht als zweifelhafter Eigenname für die Verbindung von CDU, CSU und SPD. Irgendeine beliebige große Koalition, etwa bezogen auf die Zahl der Teilnehmenden, könnten ja auch GRÜNE, FDP und der Rest der kleineren Parteien zusammen bringen.

Oder wird hier von Journalisten – bewusst, unbewusst? – Stimmung für die Große Koalition gemacht?

Der "Stern" anwortet auf Anfrage: Nein!

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