Doch die kommerzielle Erregungsmaschinerie läuft auf vollen Touren. Einen ARD-Brennpunkt gab es zwar nicht (nicht weil, sondern obwohl Wetten dass im ZDF läuft), aber ansonsten war in den Medien Alarmstufe Rot geschaltet. Von Süddeutsche.de
Live zugeschaltet ist uns nun Fred Steinhauer, Experte für Gesunden Menschenverstand beim Helgoländer Vorboten. Guten Abend, Herr Steinhauer. War dieser Stunt von Samuel K. zu gefährlich? Wie konnte es zu diesem furchtbaren Unfall kommen?
Steinhauer: Nein. Und: Da ist eben jemand auf Sprungfedern auf ein heranfahrendes Auto zugehoppelt und hat es dann nicht geschafft darüber zu springen. Das war nach meiner Einschätzung ungefähr so gefährlich, wie es sein musste.
HV: Es gibt Meldungen, dass die internationale Hilfe für den Verletzten nur sehr schleppend angelaufen sei. Es soll 23 Sekunden
Steinhauer: Diese Zeitangabe kann ich nicht bestätigen, die Obduktion der Videobänder ist für morgen Vormittag angesetzt, die Staatsanwaltschaft hat inzwischen sämtliche Funkwellen beschlagnahmt.
HV: Aber es war doch so, dass Samuel in einer Gebühren finanzierten Live-Sendung vor laufenden Kameras verletzt wurde, ein Millionen-Publikum musste die Tragödie ansehen. Muss das ZDF nicht im Hinblick auf weitere Sendungen deutlich nachbessern?
Steinhauer: Im Vergleich zu einem schönen Formel-1-Crash oder einem K.O.-Sieg im Boxen, wo der Gegner bluttriefend am Boden liegt, gibt es sicherlich noch deutlichen Nachholbedarf beim Seniorensender ZDF. Man hätte nicht so schnell wegschalten dürfen, auch dass die ganze Szenerie nicht mit Musik unterlegt wurde - und einem Off-Ton: "Wird Samuel diesen Sturz überleben. Noch ist nichts entschieden. Bitte loggen Sie jetzt ein" - zeigt deutlich, dass hier im Unterhaltungssektor noch viel zu tun ist.
HV: Die seriösen Medien suchen fieberhaft nach den Ursachen für die Katastrophe, doch die Kulturprogramme sind schon wieder dabei, Witzkapital aus dem Unglück zu ziehen. Zeigen sich da nicht insgesamt Menschen verachtende Tendenzen?
Steinhauer: Da haben Sie völlig recht. Der Sorglosigkeit, mit der uns etwa Phönix den deutschen Parlamentarismus präsentiert, muss staatsvertraglich Einhalt geboten werden.
HV: Die Frage, die unsere Zuschauer am meisten interessiert - wie geht es Samuel?
Steinhauer: In jedem Fall den Umständen entsprechend. Ob gut oder schlecht, werden wir morgen bei einer Pressekonferenz erfahren.
HV: Wird denn auch alles menschenmögliche für Samuel getan?
Steinhauer: Das war meine Antwort auf die Frage nach dem Engagement des ZDF, die Sie nun hätten stellen müssen. Und damit geben wir zurück in die Geriatrie.
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