Lieber Herr Hildebrandt, Alter, nun bleiben Sie doch mal besonnen.
Focus berichtet also über Ihre (angebliche) NSDAP-Mitgliedschaft,
worüber alle anderen berichten. Okay. Aber das ist doch noch lange kein
"Rufmord", wie Sie im
SZ-Interview 
behaupten. Denn für einen Mord
muss ja wohl jemand tot sein. Das sind weder Sie noch Ihr Ruf. Wie
sollte auch ein Magazin, dessen Chefredakteur Sie selbst als
"Fakten-Kalfaktor" eingeschätzt haben, mit einer "liederlichen,
betrügerischen journalistischen" Arbeit zu Ihrem Rufmörder werden?
Mag sein, im Alter zwickt vieles, Sitzen, Stehen, Liegen - alles ist irgendwie unangenehm - da kommt so eine NSDAP-Mitgliedschafts-Liederlichkeit echt unpassend. Aber bitte, Kabarettisten heulen doch nicht (wie Politiker), und sie beißen nicht in eigener Sache (wie Politiker und Journalisten). Das ist weit unter Ihrem Niveau.
Jetzt den Journalisten
Jobst-Ulrich Brand 
anzugehen, wo Ihre Kabarett-Karriere doch wesentlich auf dem ganzen Mist aufbaut, den die Medien so für berichterstattenswert halten, wirkt unsouverän.
Verdienstvoller wäre es, wenn Sie die Aufmerksamkeit nutzen würden, an dem verlogenen deutschen Selbstbild zu rütteln, die Bundesrepublik sei von einer Aufbaugeneration Trümmerfrauen erschaffen worden. Es waren doch diese Trümmerfrauen und -männer, die erst mal für die Trümmer gesorgt hatten! Pupegal, ob Sie irgendwann 1944 noch wissentlich und freiwillig der NSDAP beigetreten sind: Am 6. November 1932 haben 33% NSDAP gewählt, am 5. März 1933 waren es 44%. Das muss man uns, vor allem uns hoch investigativen Recherche-Journalisten ins Hirn hämmern, weil es die Grundlage bilden würde, die Entstehung von totalitären Systemen zu begreifen, was wiederum Voraussetzung dafür wäre, die derzeit laufende Machtergreifung überhaupt erst zu erkennen.
Machen Sie was aus dem kurzen Medieninteresse an Ihrer NSDAP-Mitgliedschaft. Dann werden Sie noch ein guter, weil widerständiger Parteisoldat.
Herzlichst und respektvoll grüßt,
Fred Steinhauer